Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Die UN-Generalversammlung hat 1999 eine Resolution verabschiedet, nach der der 25. November zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen festgelegt wurde. Der Gedenktag soll das Thema in die Öffentlichkeit bringen. Dem gingen bereits seit den 1980ern Veranstaltungen von Menschenrechtsorganisationen am gleichen Tag zum gleichen Thema voraus.

In der Evaluation einer Maßnahme zur Integration von Alleinerziehenden habe ich nach erlebten kritischen Ereignissen gefragt. Rund ein Drittel der Befragten äußerten körperliche Gewalterfahrung. Ob dies verallgemeinerbar ist, ist schwierig zu beweisen. Amtliche Statistiken zum Thema Gewalt an Frauen existieren nicht. Die Daten (mit Dunkelziffern) kommen häufig von Einrichtungen wie sog. Frauenhäuser oder Beratungsstellen. Ergänzend gab es 2019 eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zu Diskriminierung ((Strukturelle) Diskriminierung, Mai 2019. Eine Studie von Kantar, Public Division im Auftrag des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung (BPA)). Aus diesen Datensätzen lässt sich das Ausmaß von Gewalt an Frauen genauer bestimmen.

An der Befragung haben 1.060 Personen im Alter von über 18 Jahren teilgenommen (Die absoluten Zahlen sind zur Korrektur der Ausfälle durch Anpassung der Strukturen der Stichprobe an die Strukturen der Grundgesamtheit gewichtet.).

Folgende Ergebnisse lassen sich ausweisen:

  1. Die Frage „Ich wurde körperlich bedroht“ (in den letzten drei Jahren) wurde von 177 Personen beantwortet. Von diesen haben 25,8 % diese Aussage bejaht.
  2. Ich wurde körperlich angegriffen“ (in den letzten drei Jahren) gaben 11,5 % an.
  3. Der Aussage „Ich habe körperliche sexualisierte Übergriffe erlebt (z.B. ungewollte Berührungen)“ (in den letzten drei Jahren) haben 22,8 % zugestimmt.
  4. Einer von diesen drei Aussagen haben insgesamt 38,8 % getroffen. Demnach waren zwei von fünf Befragten von körperlichen Übergriffen bedroht. Hinzu kommt noch die Erfahrung, körperliche Übergriffe auf andere erlebt zu haben.
  5. Übergriffe auf Frauen waren häufiger als auf Männer (die Zahl der Diversen war für die Auswertung zu gering). Besonders auffällig ist dabei der Unterschied bei der Frage nach den körperlich sexualisierten Übergriffen: sie erlebten 27 % der Männer und 73 % der Frauen.

Hinzu kommen noch andere Gewaltformen – neben körperlichen Übergriffen (siehe hier).

Wenn man den Anteil der Frauen, die in den letzten drei Jahren körperlich bedroht waren, auf die Bevölkerung Deutschlands im Alter von 18 bis 85 Jahren hochrechnet, dann waren 1,5 Mio. Frauen von einer körperlichen Bedrohung betroffen.

Die trotz Antidiskriminierungsgesetz verbreitete Gewalt an Frauen zeigt, dass insbesondere die Bundesregierung mehr und bessere Strategien über das dagegen auf den Weg bringen muss.

(Ergänzt am 28.11.2021)

Bundesweites Hilfetelefon Gewalt an Frauen:

Kostenlose Telefonhotline für Betroffene 08000 116 016

Die Nummer ist kostenlos und bundesweit rund um die Uhr erreichbar. Sie kann auch ohne Handyguthaben genutzt werden. Mehr Informationen unter: www.hilfetelefon.de

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