Pneumokokken-Erkrankung in Corona-Zeiten

Es gibt zahlreiche Infektionskrankheiten, die meldepflichtig sind. Das sind nicht nur Corona-Viren, sondern auch invasive Krankheiten die durch Pneumokokken (Bakterien) ausgelöst werden. Der Übertragungsweg von Pneumokokken ist eine Tröpfcheninfektion. Folgen können unter anderem eine Nasennebenhöhlen-, Mittelohr- oder Lungenentzündung sein. Für Pneumokokken-Krankheiten stehen sowohl Antibiotika als auch Impfstoffe zur Verfügung. Dennoch sterben in Deutschland „jedes Jahr mehr als 10.000 Menschen einer Lungenentzündung durch Pneumokokken“ (Quelle: Wikipedia, aufgerufen am 2.6.2020)

Pneumokokken

Das Ausmaß der Erkrankung an einer Infektionskrankheit wird anhand der Zahl der Infizierten pro 100.000 EinwohnerInnen pro Zeiteinheit gemessen (Inzidenz). Ein solcher Indikator wird für SARS-CoV-2 laufend veröffentlicht.

Die Inzidenz bei Pneumokokken hat in den letzten Jahren in Deutschland deutlich zugenommen. Die Zahl der Wochen in einem Jahr, in denen der Wert bei Null lag, hat abgenommen. Dies waren meist Sommermonate, wo kaum Krankheitsfälle aufgetreten sind. Eine Inzidenz von 0,02 ist vor 2009 nicht aufgetreten, in 2009 und in 2010 jeweils einmal. In 2015 wurde dann erstmalig eine Inzidenz von 0,05 beobachtet (Inzidenz von 0,05 = 5.000 Infizierte in einer Woche).

Quelle der Daten: Robert-Koch-Institut

Ein Vergleich der Jahre 2018 und 2019 mit dem Jahr 2020, für das für die Kalenderwochen 1 bis 19 Daten vorliegen, zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung.

Die Jahre 2018 (Inzidenz-Mittelwert: 0,028) und 2019 (Inzidenz-Mittelwert: 0,027) zeigen einen ähnlichen Verkauf. Dagegen nimmt die Inzidenz in 2020 seit KW 10 ab, in den KW 16 bis 19 lag der Wert bei Null, was nur für die Sommermonate zu erwarten gewesen wäre (Inzidenz-Mittelwert: 0,017). Das in diesem Zeitraum mehrere Monate die Inzidenz bei Null liegt, kommt in den letzten 10 Jahren nicht vor.

Was sind mögliche Erklärungen?

Die Daten selbst zeigen keine Erklärungen. Denkbar ist, dass z. B. Lungenentzündungen häufiger als Covid-19 diagnostiziert wurden. Möglich wäre, dass die Nutzung von einem Mund-und-Nasen-Schutz (verpflichtend seit dem 27.4.2020; KW 18) oder die Pandemie-veranlassten Kontakteinschränkungen auch vor einer Pneumokokken-Infektion geschützt hat. Nicht auszuschließen ist, dass Pneumokokken-Infizierte sich weniger häufig zu einer ärztlichen Untersuchung begeben haben.

Neben der Corona-Pandemie sollten andere Infizierte und ihre Krankheiten nicht aus dem Blick verloren gehen, zumal auch an Pneumokokken und anderen Bakterien und Viren jedes Jahr einige Tausend Menschen sterben, ohne dass dies in den Medien eine größere Aufmerksamkeit erhält.

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