Corona-Pandemie macht Ausbildungsgarantie erforderlich

Die Sars-CoV-2-Pandemie wirkt sich auf den Ausbildungsmarkt aus. So ging die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2020 um 11 Prozent zurück – ein trauriger Rekord. Aber auch ohne Corona rechnete das BIBB mit einem Rückgang. Die Gruppe der jungen Menschen stand dennoch nicht im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit. Allenfalls ging es um Betriebe mit einem drohenden Fachkräftemangel, der nach der Corona-Krise wiederaufleben würde. Deshalb hat die Bundesregierung versucht den Ausbildungsmarkt zu beeinflussen, indem sie Betrieben eine Prämie anbot, wenn sie trotz Pandemie ausbilden.

Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ stellt die Bundesregierung insgesamt 500 Millionen Euro bereit. Es gibt folgende auf maximal ein Jahr befristete Förderungen:

  • Ausbildungsprämie (Ausbildungsangebot fortführen): Ausbildende KMU, die ihre Ausbildungsleistung trotz Pandemiebelastung im Vergleich zu den drei Vorjahren aufrechterhalten, werden mit einer Ausbildungsprämie gefördert. Sie erhalten für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag einmalig 2.000 Euro (nach Abschluss der Probezeit).
  • Ausbildungsprämie plus (Ausbildungsangebot erhöhen): Ausbildende KMU, die ihre Ausbildungsleistung trotz Pandemiebelastung im Vergleich zu den drei Vorjahren erhöhen, erhalten für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 zusätzlich abgeschlossenen Ausbildungsvertrag einmalig 3.000 Euro (nach Abschluss der Probezeit).
  • Vermeidung von Kurzarbeit: KMU, die trotz erheblichen Arbeitsausfalls (mindestens 50 Prozent) ihre Ausbildungsaktivitäten fortsetzen, werden mit 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung für jeden Monat gefördert, in dem dies der Fall ist.
  • Auftrags- und Verbundausbildung: Wenn KMU die Ausbildung pandemiebedingt temporär nicht fortsetzen können, können andere KMU, Überbetriebliche Berufsbildungsstätten oder andere etablierte Ausbildungsdienstleister befristet die Ausbildung übernehmen und dafür eine Prämie von 4.000 Euro je Auszubildender bzw. Auszubildendem erhalten. Dies gilt, wenn der Geschäftsbetrieb des ursprünglich ausbildenden KMU vollständig oder zu wesentlichen Teilen pandemiebedingt von Schließungen oder erheblichen Auflagen betroffen ist, die eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs maßgeblich behindern.
  • Übernahmeprämie: Betriebe, die Auszubildende aus pandemiebedingt insolventen Unternehmen jeder Größe bis zum Abschluss ihrer Ausbildung übernehmen, können je Auszubildender bzw. Auszubildendem eine Prämie von 3.000 Euro erhalten – unabhängig von ihrer Betriebsgröße.

Stand Dezember 2020 wurden 25.334 Prämienanträge und 1.831 Zuschussanträge bewilligt. Das ist angesichts der Größenordnung des Problems (Rückgang der Ausbildungsverträge um 57.600 in 2020 gegenüber dem Vorjahr) sehr wenig. Bei den drei Prämien Ausbildungsprämie, Ausbildungsprämie plus und Übernahmeprämie wurden bis zum Berichtsmonat Dezember 66,5 Mio. Euro bewilligt. Dabei ist diese Förderung noch nicht bei den Betrieben angekommen, denn es wurden erst 6.741 Förderfälle ausbezahlt (26,61 Prozent). Die Statistik zeigt auch, dass eine große Zahl von Anträgen abgelehnt wurde. Bei den Prämien wurde fast jeder vierte Förderantrag abgelehnt (23,2 %). Bei den Zuschüssen betrug die Ablehnungsquote sogar 71 %.

Quelle der Daten: Statistik der Bundesagentur für Arbeit (Berichtsmonat Dezember 2020)

Vorläufig kann man von „Ausbildungsplätze sichern“ als einem erfolglosen Programm sprechen.

Vermutlich ist der finanzielle Anreiz für die Betriebe zu gering. Kritisch ist andererseits auch, ob eine gute Ausbildung nur dann ermöglicht wird, wenn an den Kosten gespart wird. Angesichts des Rückgangs des Ausbildungsangebots und der Größe des Übergangssystems, das die erfolglosen Ausbildungssuchenden aufnimmt, müsste eine Förderung der ausbildungssuchenden jungen Menschen mit berufsqualifizierenden Ausbildungsplätze in größerem Umfang und über mehrerer Jahre erfolgen – und das vermutlich außerhalb der Betriebe (die ja ihr Angebot reduziert haben). Ohne solche über- oder außerbetrieblichen Ausbildungsplätze werden viele junge Menschen keine Chance auf eine Ausbildung haben. Kurz gefasst: die jungen Menschen brauchen eine Ausbildungsgarantie.

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